Letzte "Wein-Recherche": Kostproben vom neuen "Goldküste-Zentrum"

Zwei Betriebe der deutschen Wein-Elite bildeten den Abschluss der dritten “Wein-Recherche” im Presseclub Mainz. Am 18. August präsentierten sich die beiden Ingelheimer VDP-Weingüter Neus und Schloss Westerhaus im Clubdomizil Erbacher Hof.

 

 

Moderator Hermann-Josef Berg ironisch: “Wir wollen ja nicht den Eindruck erwecken, ein Presse-Weinclub zu sein!” Von der Konzeption sei dieser so genannte “Rheinhessen-Check/Wein-Recherche ein vorgezogener Beitrag zum anstehenden Jubiläum “200 Jahre Rheinhessen” gewesen. “Der Wein ist eben ein  Charakteristikum dieser Region”, so Berg. Ob es 2016 weitere “Recherchen” zu anderen rheinhessischen Themenbereichen gibt, ließ er offen.

Dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter gehören rund 200 Spitzenbetriebe an; Rheinhessen steuert derzeit 15 Weingüter bei. Neus und Schloss Westerhaus gehören in diesem Kreis zu den Etablierten. Dies dokumentierten auch die verkosteten Weine:

  • 2014er Ingelheimer Riesling (Ortswein Westerhaus),
  • 2014er Ingelheimer Weisser Burgunder (Ortswein Neus),
  • 2014er Ingelheimer Grauer Burgunder (Ortswein Westerhaus),
  • 2014er Spätburgunder Rosé (Gutswein Neus),
  • 2012er Schloss Westerhaus Spätburgunder Grosses Gewächs (Lagenwein),
  • 2012er Spätburgunder Pares Großes Gewächs (Lagenwein Neus).

Gräflicher Wein von Ingelheims Westerberg
Johannes Graf von Schönburg-Glauchau – auf Foto rechts – führt gemeinsam mit seiner Frau Gräfin Ivonne (eine Urenkelin des Rüsselsheimer Autobauers Adam von Opel) diesen Betrieb. Im französischen Chateau-Stil erbaut, thront es über dem Selztal und ermöglicht mit seiner “kalten Lage” am Westerberg (gegenüber den wärmen Flächen am Mainzer Berg) das Herstellen frischer und säurebetonter Weine. Graf von Schöneburg und der junge Kellermeister Tony Frank wissen genau, wo sie Rieslinge und Spätburgunder mit hohem Qualitätspotenzial ernten können – vor allem auf den Rebflächen direkt unterhalb von Schloss Westerhaus. Nach schwierigen Jahren hätten sich “die Weine gesteigert”, befindet auch der richtungsweisende Weinführer Gault Millau. Graf von Schönburg-Glauchau: “Für die Vermarktung ist eine gute Bewertung wichtig, aber wir orientieren uns nicht daran, sondern zielen auf eine langfristige Positionierung unserer Kresenzen als Premiumweine.”

Neus: Zurück zu altem Ruhm als Spätburgunder-Spitzenerzeuger
Über die Hypes von Bewertungen hinaus, gilt auch für Christian Schmitz: “Qualitatives bewahren und sukzessive ausbauen!” Während er früher solche Weine als Gesellschafter des (von Kuehne & Nagel übernommenen) alteingesessenen Mainzer Logistikunternehmens G.L. Kayser transportierte, sorgt er jetzt für deren zielgerichtete Vermarktung. Schmitz: “Wir wollen wieder zu einem der renommiertesten Spätburgunder-Betriebe Deutschlands werden!” Dies war der 1881 gegründete Betrieb bereits schon: Gründer Josef Neus galt als qualitativer Vordenker der Region. Mit dem aus Neuseeland stammenden Kellermeister Paul “Kiwi” Schefford ist er bereits auf einem guten Weg, attestiert auch der Gault Millau in seiner 2015er Ausgabe. Das Weingut besitzt vielleicht die schönste Kelleranlage in Rheinhessen – quadratisch angelegt, mit rund 80 Holz-/Barriquefässern. Mit dem Schmitz-Engagement lässt sich die Erkenntnis verbinden: Neus ist back!

Beide Weingüter profitieren dabei von der “Klima-Insel” Ingelheim mit in der Regel wenigen Witterungskapriolen wie Hagelschäden. Und mit einem fantastischen Muschelkalk-Terroir schenkt die Natur der selbst ernannten Rotweinstadt ideale Voraussetzungen nicht nur für Spätburgunder und Rieslinge, sondern auch für überzeugende Weiß- und Grauburgunder. Nicht ohne Grund sprechen Wein-Experten und -Journalisten von einem neuen “Goldküste-Zentrum” in Deutschlands Weinlandschaft.