Baseball, Pancakes und Prohibition

Dr. Kai-Michael Sprenger / Screenshot: SWR Fernsehen
Dr. Kai-Michael Sprenger / Screenshot: SWR Fernsehen

Amerikanische Besatzung in Deutschland – jeder denkt dabei an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch es gab schon nach dem Ersten Weltkrieg eine amerikanische Besatzungszone an Rhein und Mosel.. Diese historische Episode aus den Jahren 1918 bis 1923 ist fast völlig in Vergessenheit geraten – überdeckt durch die harte Besatzung der Franzosen und den Zweiten Weltkrieg.

Text: Utz Kastenholz, SWR


Bei unserer Themenrunde am 13. November 2018 um 19:00 Uhr im Erbacher Hof zeigen wir den Film „Stars and Stripes am Deutschen Eck“ (45 Minuten) und eröffnen anschließend die Diskussion mit unseren Gästen


Dr. Kai-Michael Sprenger vom Institut für
Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V.

 

sowie SWR-Redakteur Utz Kastenholz, dem Autor des Films.


Pressetext zum Film:

 

Im Dezember 1918 marschierten die alliierten Truppen ins linksrheinische Deutschland ein. Die Amerikaner besetzten das Gebiet zwischen Trier und Montabaur, Neuwied und Koblenz.

Schon bald gab es typisch amerikanische Kulturimporte: Donuts, Coca-Cola, Baseball, Kaugummi, horseshows und anderes, was den Deutschen sehr fremd vorkam. Das preußisch dominierte Kaiserreich hatte sich gerade aufgelöst und die Lässigkeit der „doughboys“, wie sich die amerikanischen Infanteristen nannten, erstaunte die Deutschen.

 

Die negativen Begleiterscheinungen einer militärischen Besetzung bleiben auch bei den Amerikanern nicht aus: Trunkenheitsdelikte, Schlägereien, Raub und Sexualdelikte füllen die Akten. Und doch: die amerikanische Besatzungspolitik war auf Ausgleich bedacht. Ihr Ziel war, nicht nur den Krieg, sondern auch den Frieden zu gewinnen. Damit stand sie in krassem Gegensatz zur französischen Besatzungspolitik. Folglich ratifizierten die Amerikaner den Versailler Vertrag nie, denn die harten Bedingungen erschienen ihnen nicht dazu geeignet, in Europa einen dauerhaften Frieden zu schaffen. Im Januar 1923 verließen die letzten amerikanischen Besatzungstruppen den Rhein. Über der Festung Ehrenbreitstein wehte nun die französische Trikolore.

Trotz Fraternisierungsverbot kamen sich deutsche Frauen und amerikanische Besatzungssoldaten sehr nah. In den Archiven gibt es Belege für viele deutsch-amerikanische Eheschließungen, aber auch über uneheliche Kinder, die die Besatzer zurückließen. Durch neue Methoden und genealogische Datenbanken ist es jetzt möglich, dass sich nach hundert Jahren Menschen begegnen, deren gemeinsame Vorfahren amerikanische Besatzungssoldaten waren, die bislang aber gar nicht wussten, dass sie miteinander verwandt sind.

 

Was kann man heute noch über diese Besatzungszeit herausfinden? Mit dem Mainzer Historiker Dr. Kai-Michael Sprenger hat sich der SWR auf Spurensuche im Land gemacht und Archive durchstöbert. Stummfilme und Fotos lassen die Periode der ersten amerikanischen Besatzung in Deutschland wieder auferstehen. Familienzusammenführungen, überraschende Liebesgeschichten, bewegte Schicksale – Geschichten aus einer Zeit,  als die Amerikaner die Wacht am Rhein hielten und das Sternenbanner überm Deutschen Eck wehte.

Text: Utz Kastenholz, SWR