Mainzer Kämpfer für die Schwächsten

Foto: © armut-gesundheit.de
Foto: © armut-gesundheit.de

Vor wenigen Tagen verstarb in Mainz eine wohnsitzlose Frau in einem Mainzer Park. Die Obduktion ergab, dass sie in ihrem Zelt erfroren ist. Der Mainzer Arzt Gerhard Trabert, der sich seit Jahrzehnten für benachteiligte Menschen engagiert, kannte sie gut. Für obdachlose Frauen gibt es in Mainz zu wenig Unterkünfte, sagt er.

Wenige Wochen zuvor holte er zwei syrische Geflüchtete aus dem Lager Moria auf Lesbos nach Mainz. Auch und besonders in diesen ohnehin schwierigen Zeiten setzt sich der Mediziner für die Schwächsten der Gesellschaft ein.

Am 16. Dezember ist er um 19:00 Uhr unser Gast in der Online-Themerunde des Mainzer Presseclubs.
Melden Sie sich jetzt zu dieser Veranstaltung an!

Hintergrund: Prof. Dr. Gerhard Trabert wurde 1956 in Mainz geboren. Bereits in seiner Kindheit entwickelte er einen Sinn für benachteiligte Menschen, weil er viel Zeit in einem Waisenhaus verbrachte, in den sein Vater als Erzieher arbeitete.


Nach einem Studium der Sozialarbeit in Wiesbaden, das er mit Diplom abschloss, entschied er sich 1983, zusätzlich Humanmedizin zu studieren. Schon seine Dissertationsschrift trug den Titel „Gesundheitssituation und medizinische Versorgung von wohnungslosen Menschen“.


Trabert spezialisierte sich dann auf Innere Medizin, besonders auf die medizinische und psychosoziale Versorgung onkologischer Patient*innen und absolvierte später eine Weiterbildung zum Arzt für Allgemein- und Notfallmedizin.
Seit 2009 hält er eine Professur für Sozialmedizin und Sozialpsychiatrie an der Hochschule RheinMain.

Durch Erlebnisse währen einiger Auslandsaufenthalte inspiriert, gründete er im Jahr 1994 mit dem „Mainzer Modell“ eine medizinische Versorgungseinrichtung für wohnngslose Menschen in Mainz. Hierbei fährt er mit einem „Arztmobil“ gezielt zu Obdachlosen, um diese zu betreuen und bei Bedarf ärztlich zu versorgen..

1997 gründete er zudem den Verein „Armut & Gesundheit e.V.“, um den Zusammenhang von Krankheit und Armut, also dass Armut krank und Krankheit arm macht, in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen. Das „Mainzer Modell“ mit dem Arztmobil wird seitdem unter dem Dach dieses Vereins betrieben. Weiterhin bietet er Sozialberatung sowie eine medizinische Versorgung für diejenigen an, die nicht oder nur unzureichend krankenversichert sind.


Trabert arbeitet aber nicht nur lokal, sondern auch global. Zuletzt machte er sich im niedergebrannten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos ein Bild von der Situation der Geflüchteten, von denen er dann im November 2020 zwei Syrer nach Mainz holte.

Für sein Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz und das Bundesverdienstkreuz.


Über sein Leben, seine Arbeit und das, was ihn in diesen Zeiten besonders bewegt, besorgt oder beglückt, spricht Prof Trabert mit uns am 16.12.2020 um 19:00 Uhr bei der Online-Themenrunde des Mainzer Presseclubs.


Corona-bedingt findet dieser Termin per Videokonferenz statt.

Sie benötigen zur Teilnahme das Programm bzw. die App „Zoom“.